Mary Ward


DIE GESCHICHTE DER MARY WARD
      1585 – 1645
Mary Ward lebte in einer Zeit der religiösen Intoleranz, wo Katholiken auf Grund ihres Glaubens und  ihrer Gefolgschaft des Papstes verfolgt wurden.  Innerhalb der katholischen Kirche wurden Frauen  für schwach und unbeständig gehalten einzig und allein geeignet für ein Leben als verheiratete Frau oder für ein Leben in strikter Klausur.
In Yorkshire finden sich die Erinnerungen an die Kindheit und das Sterben von Mary Ward wieder. Sie wurde am 23. Januar 1585 in Mulwith nahe Ripon in eine streng katholische Familie geboren. Ihre Grossmutter verbrachte auf Grund ihres Glaubens 14 Jahre im Gefängnis.
Mary besass alle Qualitäten einer wahrhaften Einwohnerin von Yorkshire: Mut, Hartnäckigkeit, tiefen Glauben, Freude, einen ausgeprägten Allgemeinsinn und sie war sehr offenherzig. Einen grossen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie bei einigen Verwandten und in diesen sehr katholischen Haushalten war es auch, wo ihre Spiritualität zu reifen begann.
Die Reisen von einer Verwandtschaft zur anderen – sie fanden oft in den kalten Wintern von Yorkshire statt – bereiteten sie auf die zahlreichen Reisen vor, die sie später durch Europa machen sollte und die sie über Land oder übers Meer führten, einige Male sogar zu Fuss über die Alpen. 1621 wanderte sie mit einigen Ordensschwestern 1500 km von Flandern bis nach  Rom, um dem Papst persönlich  ihr Schulvorhaben vorzustellen. Und wenn nötig zögerte sie nicht, es vor den Kardinälen zu verteidigen.
Im Jahr 1609 gründete Mary einen religiösen Orden nach dem Modell der Compañía de Jesús. Um die ihnen anvertrauten apostolischen Aufgaben erfüllen zu können  war es  Voraussetzung, vollkommen frei und an keine  Klausur gebunden zu sein. Es würde eine Schwester Oberin geben und diese wäre direkt dem Papst unterstellt. Und so wurde der Orden in vielen Gemeinden und Schulen zahlreicher  Städte des europäischen Kontinents gegründet, um den Priestern zu helfen, das Evangelium zu predigen.
Aber diese Form des Apostolats war bis dahin unbekannt und weckte grossen Widerstand innerhalb der katholischen Kirche, sodass die Einrichtung von Mary Ward im Jahre 1631 vom Papst Urban VIII.  abgeschafft wurde. Sie  wurde als Ketzerin angesehen und von der Inquisition für einige Zeit in das Angerkloster in München verbannt.
Mary Wards Lebenswerk war ruiniert. Die Schulen wurden aufgelöst, die Häuser geschlossen und sie selber in Verruf gebracht.  Ungefähr  50 treue Wegbegleiter blieben an ihrer Seite, die Mehrheit verliess sie. Es war jedoch nicht alles verloren. Einer begrenzten Anzahl von Ordensschwestern wurde erlaubt, im Paradeiserhaus in London nach weltlichen Massstäben zu leben, scheinbar ausserhalb des Einflussbereiches der Inquisition. Der Papst änderte seine Meinung und die englischen Damen wurden in Rom aufgenommen und unter seinen persönlichen Schutz gestellt. Er sandte ihnen eine monatliche finanzielle Unterstützung und sprach sich sehr positiv über Mary Ward und ihren guten Einfluss auf die Menschen aus. Auf dieser Basis würde das neue Institut entstehen.
Durch die Inquisition sah Mary Ward sich gezwungen, nach ihrer Entlassung und der Rehabilitierung durch den  Papst in Rom unter strenger Beobachtung zu leben. Nur 1637, mittlerweile ernsthaft erkrankt, wurde ihr gestattet, die Stadt zu verlassen und in ein Sanatorium zu gehen. Sie reíste nach London und Nordengland, musste aber nach Rom zurückkehren.
Ein paar Jahre nach der Verfolgung durch die Inquisition kehrte sie 1639 nach Yorkshire zurück und lebte dort mit einigen ihrer Ordensschwestern in Hewarth ausserhalb von York.
Am 30.Januar 1645 starb sie.  Das verarmte Pfarramt Osbaldwick bot sich an, sie auf ihrem kleinen Friedhof zu begraben. In dieser Kirche kann man heute ihre Gedenktafel sehen.
Als ihr Leichnam in Yorkshire in Empfang genommen wurde, erhob sich eine Stimme aus der Menschenmenge: “Nie hat es eine Frau wie sie gegeben!”  Und die Menge antwortete: “Nein, nie!” Diese wenigen Worte wurden für die Nachwelt unvergesslich.
Die Loyalität ihrer Ordensschwestern führte dazu, dass sich die Schule immer mehr verbreitete, obwohl bis 1877 die definitive Anerkennung der Kirche ausblieb. Als Gründerin wurde Mary Ward erst 1909 anerkannt. Die Mary Ward Stiftung besteht heute aus der “Congregación de Jesús” und dem “Instituto de la Bienaventurada Virgen María”.
Mary Ward war eine Frau mit grossen Visionen. Sie war sich des Potentials der Frauen und der Notwendigkeit von Bildung und Erziehung sehr bewusst. Vor allem jedoch war sie eine Frau des Gebets und in ihren eigenen Schriften erkennen wir ihre starke Verbundenheit mit Gott, dem sie ergeben gedient hat. 1631 schrieb sie aus dem Gefängnis:” Es ist gut, dem FREUND der Freunde zu gefallen und für IHN zu arbeiten. Vor allem aber ausnahmslos und immer dem MEISTER zu dienen.
Quellen: Mrs.Christina Kenworthy Browne und Gregory Kirkus.

 

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